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Unsere Freiheit auf vier Räder – Teil 4: Übergabe des Expeditionsmobils

Mitten in der Nacht starteten wir auf die letzte Etappe, um unsere Idee von Leben und Arbeiten auf die Straße zu bringen. Endlich war es soweit. In Kolsass, in der Nähe von Innsbruck, wartete unser Wunsch-Expeditionsmobil auf uns. Wir hatten unseren LKW-Führerschein in der Tasche. Wir hatten die Nummernschild für unseren LKW und die Zulassungspapiere – und … Ja, eigentlich hatten wir einen ganzen Hausstand dabei. Denn wir holten nicht einfach einen LKW ab, sondern unser neues Zuhause …

„Ihr zieht in ein Haus ein …“

Wir wollten unser Expeditionsmobil gemeinsam abholen und gleich auf eine erste Fahrt gehen. Deswegen besorgten wir uns in Trier einen Mietwagen, den wir in Österreich wieder abgegeben konnten. Wir packten diesen randvoll: ein bisschen Kleidung, aber vor allem Haushaltsgegenstände, Geschirr, Besteck, Gläser, Bettwäsche, Handtücher, unsere Laptops. Das erinnerte mich an alte Zeiten, als ich während des Studiums von einer Studentenbude in die nächste zog. Und es war ja eigentlich auch wie ein Umzug … 

„Ihr zieht in ein Haus ein!“, mit diesen Satz hatten uns die  Schatzmeisters begrüßt, die uns unser Traummobil gebaut hatten. „Wir machen eine Hausübergabe …!“ – und diese Hausübergabe hatte es in sich. Denn wir bekamen nicht „einfach“ nur ein Haus übergeben, sondern gleichzeitig ein E-Werk, ein Wasserwerk, ein Abwasserwerk – alles war an Bord. Und dazu die Anleitung: Was können Anke und ich selbst tun, wenn es irgendwo hakt? Wenn die Entsorgung nicht klappt. Oder es Probleme mit dem Strom gibt. Der Wasserleitung. 

Bei einem „normalen“ Haus müsst ihr euch keine Gedanken machen, woher der Strom kommt. Das ist bei uns anders. Wir müssen unser Expeditionsmobil verstehen, damit wir dann auch autark unterwegs sein können. Und was das Team Schatzmeister hier leistete, das erinnerte mich an unsere eigene Impeditionen in Unternehmen …

Unser neues Zuhause verstehen  

Zwei ganze Tage wurden wir von diesem tollen Team gebrieft – und dabei ging es „nur“ um den Aufbau! Von Scania aus Österreich kam dann noch ein Mitarbeiter dazu, der uns das Fahrwerk des LKW und all die Spezifikationen näher brachte. Das Ziel des Ganzen, und so ist das ja auch bei unseren Impeditionen so, war, gemeinsam zu schauen, was an Prozessen, an Material, an möglichen Fehler- oder Störquellen an Bord ist, um uns zu ermöglichen, erfolgreich und aus eigener Kraft unterwegs zu sein. Auch wenn es mal hakt.

Was wir uns gewünscht hatten, war ein Aufbau aus natürlichen Materialien, kein Kunststoff. Und nun hatten wir ein Tiny-Haus aus 99 % Holz, das auf den LKW gesetzt worden war. Und das noch Offroad-tauglich. Als Holz war unbehandeltes Zirbenholz verwendet worden, das gegen Mücken hilft, beruhigend und blutdrucksenkend wirkt und ein gutes Raumklima liefert. Die Box kühlt sich auch selbst. Für den Boden wurden Lederfliesen verwendet, sodass wir bei Bedarf nur eine einzelne Fliesen austauschen müssen. Der Boden hat Eigenschaften wie eine Lederhose. Ist somit sehr robust – auch gegenüber Hundekrallen und bedarf nur wenig Pflege, wie z.B. das regelmäßige Nachfetten. 

Und so tasteten Anke und ich uns durch die vielen, uns begeisternden Einzelheiten unseres neuen Heims. 

Dank der Rundumbetreuung in den zwei Tagen verstanden Anke und ich, wie die Technik in der Küche, dem Bad, dem Wohnzimmer funktioniert. Solar, Wasser, Batteriemanagement, Heizung, Holzofen … Hier sind die Sicherungen. Das sind Probleme, die öfter auftauchen … Das ist schon einmal vorgekommen, das mit dem Fäkalientank Folgendes passiert … Doch würden wir uns auch all das merken können?

Alleine klarkommen

Das war ein wirklich strammes Programm, eine Art Autark-mit-dem-LKW-unterwegs-Bootcamp. Wir haben auch immer ein Video mitlaufen lassen, um uns im Zweifel einzelne Sequenzen noch einmal anschauen zu können. Wir erhielten einen ganzen Ordner zu den verschiedenen Gewerken und Geräten. Wir lernten unser neues Zuhause verstehen und auch das Vertrauen zu fassen, alleine klarzukommen.

Und dann kam der Moment, an dem wir vom Hof fahren sollten. Wir hatten unser Hab und Gut, das wir mitgebracht hatten, verstaut. Unser Expeditionsmobil stand in Hanglage, weil uns gezeigt worden war, wie wir mittels Holzkeile dafür sorgen, dass der LKW gerade steht. Das war uns zuvor so nicht klar gewesen. Aber das mussten wir lernen, um nicht irgendwo mit dem Kopf nach unten schlafen zu müssen. 

Anke war am Steuer. Der LKW stand recht weit vorne auf den Holzkeilen, als Anke den Zündschlüssel drehte. Sie wartet, bis die Druckluft sich aufgebaut hatte. Sie wollte langsam rückwärts und so von den Holzkeilen herunterfahren. Sie gab vorsichtig Gas – und fuhr mit einem Ruck nach vorne. Der LKW fiel von den Keilen herunter. Anke trat auf die Bremse, sah mich erschrocken an. Die Schatzmeisters und ich lachten. Nichts passiert. Typisch Generalprobe. 

Anke atmete durch, ich holte die Keile an Bord, stieg zu ihr ins Führerhaus und wir starteten auf unsere erste Tour. Von der erzählt euch Anke in ihrem nächsten Blog.

Euer Mike

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