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Wo ist das Chamäleon in eurem Unternehmen?

Südafrika. Ein nieseliger Morgen auf Safari. Mike und ich sitzen im Regencape hinten auf der offenen Sitzfläche eines Toyota Landcruiser. Wir haben unser eigenes Gefährt im Camp stehen lassen und die Chance genutzt, mit einem Guide mitzufahren, um mit unseren Kameras auf Big Five Safari zu gehen.

Mike und ich sind die einzigen Gäste an diesem Morgen. Vielleicht sind die anderen Besucher ja ein wenig wasserscheu. Und so früh morgens bei Regen ist es auch ziemlich frostig hier. Oder aber sie sind gut informiert: Weil eben die Big Five, die eindrucksvollen Klassiker jeder Safari, keinen Nieselregen mögen. Bei Regen verstecken sich die Elefanten, die Löwen, die Nashörner … – wie uns unser Guide mit lauter Stimme erklärt, um den Motor des Wagens und den auf unsere Kapuzen niedergehenden Regen zu übertönen. 

Plötzlich legt er eine solch abrupte Vollbremsung hin, dass Mike und ich ordentlich durchgeschüttelt werden. Ich denke noch: ,Oh Gott, was ist jetzt passiert?’ 

Ja, was da damals an diesem Tag passiert ist, das war für Mike und mich ein augenöffnender Impuls, den wir schließlich vom Schwarzen Kontinent mitnahmen und seitdem in unseren Impeditionen für Unternehmen nutzbar machen. Denn was den Guide bremsen ließ, war etwas, das Mike und mir entgangen war, eine Kleinigkeit, die vielen Unternehmern und Führungskräften in ihren Betrieben, vielleicht ja auch euch, viel zu schnell auch entgeht.

Glatt übersehen

Der Guide setzte mit dem Wagen einige Meter zurück und wies dann in Richtung der Büsche, die neben der Straße grün emporwuchsen. Im ersten Moment sah ich nichts. Nur Grün. Nur Pflanzen. Der Guide stieg aus, machte einen Schritt auf die Büsche zu und streckte die Hand aus: „There! Look!“ – und dann sah ich es und Mike sah es auch, wie ich seinem überraschten Ausruf entnehmen konnte: ein Chamäleon.

Wir hatten das Chamäleon übersehen. Was ja keine Schande ist. Schließlich hatte dieser Meister der Tarnung mit der grünen Einfärbung seiner Haut genau das beabsichtigt. Aber wie konnte der Guide, obwohl er fuhr und auf den Weg achten musste, trotz des Nieselregens, der die Sicht verschlechterte, dieses kleine, getarnte Reptil entdecken?

Er hatte das Chamäleon gesehen, weil er seinen Blick geschult hatte, auf Unregelmäßigkeiten zu reagieren. Auf die Abweichung im gewohnten Bild, das zu erwarten war. Auf den Fehler in der Matrix gewissermaßen.

Mike und ich waren so sehr darauf aus, das Besondere zu entdecken, am besten noch ein eindrucksvolles, großes Besonderes á la Big Five, dass wir dieses ganz besondere Detail glatt übersahen. Diese faszinierende Kreatur, an die wir uns seitdem immer wieder erinnern, weil sie für uns das repräsentiert, was in Unternehmen ebenfalls oft nicht entdeckt wird – was ihr aber entdecken solltet, wenn ihr für ein aktuelles Problem eine Lösung sucht.

Blinde Flecken im Unternehmen 

Während ich bei unseren Impeditionen meist in der Rolle der kommunikativen Netzwerkerin bin, übernimmt Mike den Part des Guides: Das heißt, er hält sich im Hintergrund. Während ich ganz nah dran bin, an den Entscheidern, den Menschen im Unternehmen und dadurch viele Erkenntnisse über ihre Sicht der Dinge erhalte, bleibt Mike auf Abstand – und kann somit das in den Blick nehmen, was mir aufgrund meiner Nähe zu entdecken verwehrt bleibt: das große Ganze.

Dieser Blick aufs Big Picture macht erst möglich, die verschiedenen detaillierten Erkenntnisse, die ich gewinne, einzuordnen: Mike entdeckt so die Brüche, die Ungereimtheiten im Gesamtbild, die blinden Flecken, die ihr, wenn ihr zum Beispiel als Unternehmer oder Führungskraft zu nah dran seid, nicht mehr erkennt.

Ihr seht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr – und schon gar nicht das „Chamäleon“, das euch wirklich Probleme bereitet.

Das „Chamäleon“ im eigenen Unternehmen zu entdecken, ist für unsere Klienten ebenso ein Augenöffner wie es damals unser Erlebnis auf Safari war. Weil eben oft das Offensichtliche, das als groß angesehene Problem, nicht das wirkliche Problem ist, das dem Unternehmen zu schaffen macht. 

Vielleicht habt ihr ja kein „Big Five“-Problem? Vielleicht glaubt ihr das ja nur, dass euer Problem eines solches ist, von dem alle erzählen? Vielleicht ist euer eigentliches Problem ja viel spezieller? Ein besonderes Problem, so wie euer Unternehmen ein besonderes Unternehmen ist.

Wo also ist das Chamäleon in eurem Unternehmen?

Eure Anke 

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